
Die Aschaffenburger
Hundeschule
Petra Führmann &
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Sachverständige für das Hundewesen
Muß mein Hund auf die Couch oder wie finde ich einen Tierpsychologen?
In der Hundeszene macht sich in letzter Zeit ein merkwürdiger Trend breit: Bestimmte Wörter werden langsam aber sicher zu Unwörtern und mit der Benutzung derselben outet sich die Autorin oder Hundetrainerin im Handumdrehen als anscheinend hoffnungslos altmodische Anhängerin der Brutalofraktion. (Kleine Anmerkung: Wir verwenden der Verständlichkeit und Lesbarkeit halber die weibliche Form der Anrede. Selbstverständlich ist der männliche Leser ebenso gemeint und soll keinesfalls diskriminiert werden).
Die Dominanztheorie sei widerlegt, liest frau allerorten. Was bitte schön - ist denn die Dominanztheorie? In der gesamten fachlich fundierten Hundeliteratur, die uns bekannt ist, wird sie nicht erwähnt.
Ist damit der wirklich uralte Zopf gemeint , dass beispielsweise ein am Kauknochen verteidigenderweise knurrender fünf Monate alter Rocker dominant ist oder alle ungehorsamen Hunde auf einmal zu Kopf- oder Alphahunden mutieren? Sogar die Scheinträchtigkeit der Hündin sei ein Dominanzproblem, versicherte mir unlängst ein Experte. Auch der Alphatrieb fällt hierunter, wenn mir auch noch niemand bis heute dieses Phänomen schlüssig erklären konnte. Nun, diese Zöpfe können wir getrost abschneiden und zur Ablage unter Kurioses legen.
Ist es typisch deutsch, dass die öffentliche Meinung nun ins andere Extrem schlägt? Oder einfach nur menschlich? Auf einmal gibt es keine Dominanz mehr, es sei gar verboten, dieses Wort zu benutzen, wurde uns kürzlich auf einem Fortbildungsseminar vom Referenten mitgeteilt. Oder besonders hübsch in einem Internetforum konnte frau lesen, dass Hunde kein Rangsordnungsbewußtsein gegenüber dem Menschen hätten, aber natürlich sehr wohl hierarchisch strukturiert denken würden. Ach?
Wenn jetzt allerorten behauptet wird, dass wir als Menschen keinerlei Regeln mehr im Umgang mit unseren Hunden beachten sollen und unsere Hunde nur als Konditionierungsobjekte betrachtet werden, können wir uns damit nicht identifizieren.
Sind Hunde etwa auf einmal keine Rudeltiere mehr, die eine möglichst stabile Rangordnung aufstellen? Selbstverständlich nicht. Aber es ist eben schick geworden, Hunden zu unterstellen, sie würden ihr komplexes (zwar bei weitem nicht so komplex wie bei ihren Stammvätern, den Wölfen, aber eben doch keinesfalls nur als simple Hackordnung ausgeprägtes) Sozialverhalten dem Menschen gegenüber nicht zeigen. Damit fallen dann Standards in der Hundeerziehung wie Privilegienbeschneidung, Einschränkung von Ressourcenzugang, Hausstandsregeln wie z.B. die Zubilligung von erhöhten Liegeplätzen etc. einfach weg und sind nach Aussagen vieler Hundeexpertinnen völlig unwichtig geworden. Begründet wird diese Meinung damit, dass Hunde Menschen eben als Menschen ansähen und nicht als Hunde.
Unsere Meinung hierzu: Wie wir in der Vorstellungswelt von Hunden erscheinen, wird beim derzeitigen Stand der Forschung erst einmal ein Rätsel bleiben. Wir können weder beweisen noch widerlegen, ob wir in den Augen der Hunde Hunde, Menschen oder seltsame Hunde sind. Und im Grunde ist das auch überhaupt nicht wichtig, sondern in gewisser Weise Wortklauberei.
Fakt ist, dass Hunde (sinnvolle Aufzucht vorausgesetzt) in ihrer Präge- und Sozialisierungsphase Menschen als Sozialpartner kennen lernen und diese damit als solche annehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Hunde nicht in der Lage sind, philosophische Betrachtungen über Menschen und Hunde anzustellen, geschweige denn eine Unterscheidung im Umgang daraus zu folgern. Natürlich sind Hunde andererseits so flexibel, dass sie viele Regeln und Kommunikationsstrukturen, die Hunde im Umgang untereinander beachten, für den Menschen einfach außer Acht lassen können. Die wirklich wichtigen Regeln im Sinne einer funktionierenden Rangordnung jedoch beachten Sie immer! Ganz kurz zusammengefasst läßt sich das auf die Aussage Wer bewegt wen und/oder wer kann wen einschränken (nach Frau Dr. Feddersen-Petersen) reduzieren.
Wenn Sie Ihr Zusammenleben mit Ihrem Hund unter diesem Gesichtspunkt betrachten, werden Sie evtl. Schwachstellen schnell feststellen. Die allseits bekannten Hausstandsregeln wie keine Zuweisung von erhöhten Liegeplätzen, Ignorieren von Manipulationsverhalten, wer ißt wann, wer darf zuerst durch die Tür etc. sind natürlich nur pauschale Anhaltspunkte, die für jeden Hund individuell bewertet werden müssen.
Da wir uns keinesfalls einbilden, das Rad ständig neu erfinden zu müssen, möchten wir an dieser Stelle aus dem neuen Standardwerk (Hundepsychologie, Kosmos-Verlag, Oktober 2004, S. 261ff.) von Frau Dr. Feddersen-Petersen zitieren:
Interaktionen Mensch-Hund, die sofort, also unmittelbar einem nicht zu tolerierenden Verhalten des Kleinen oder bereits einer Intention dazu folgen, als negative Reize wirken und dem Welpen ermöglichen, dieses zu assoziieren, führen zu keiner Entfremdung, sondern schaffen klare soziale Beziehungen im Gruppengefüge. Natürlich schließt dieses nicht aus, dass Welpen, wie alle Tiere, über positive Verstärkung in entspannter Atmosphäre am besten lernen, dass sie problemlos nach lerntheoretischen Gesetzmäßigkeiten konditioniert werden können und auch sollten. Ein zeitgerechtes Bestrafen (Wegstoßen mit zischendem Laut o.ä.,) indes, bedeutet nicht selten den Beginn eines mühevollen Prozesses und ist biologisch sinnvoll. Von einigen Autoren wird auch diese Art der Bestrafung als nicht dem neuesten Kenntnisstand entsprechend abgetan. Dem kann ich in dieser strikten Pauschalierung nicht folgen.
Es ist nicht gleichgültig, wann mit der Erziehung des Junghundes begonnen wird. Man sollte es sofort tun, damit sich der Welpe von Anfang an in die gewünschte, zur Familie passende Position einfügt. Unerfahrene Tierbesitzer verschieben die Erziehung oftmals auf einen späteren Zeitpunkt, weil der Welpe noch so klein sei. Das ist sicherlich falsch. So lernt der heranwachsende Hund, dass und wie Menschen zu lenken sind. Erweist er sich als sozial explorativ, so kommt es (völlig unnötig) zu Rivalitäten um Dinge und Gegebenheiten des Soziallebens. Hunde streben in individuell unterschiedlicher Ausprägung höhere Ränge, verbunden mit größerem Handlungsspielraum an (s.S. 193). So manch bissiger Hund wurde als Welpe antiautoritär erzogen.
Im Grunde ist die gesamte Diskussion über Rangordnung und Dominanz überflüssig und in vielen Fällen auch nur Wortklauberei oder folgt Modetrends. Dominanz ist keine Charaktereigenschaft! Hunde können sich aber in bestimmten Situationen dominierend gegenüber Artgenossen und Menschen zeigen. Dem gilt es ohne Brutalität sinnvoll zu begegnen. Früher (und leider auch heute noch in vielen Fällen) griff der Mensch in seiner Unwissenheit zu körperlicher Härte. Aber auch der heutige Trend mittels ausschließlich positiver Bestärkung und völliger Mißachtung hundlicher Regeln geht am Wesen unserer Hunde völlig vorbei. Ausführlich, kompetent und wissenschaftlich abgesichert nachzulesen im o.g., absolut empfehlenswerten Buch Hundespychologie.
Gute Hundeerziehung ist in erster Linie artgerecht und vor allem für den Hund verständlich. So positiv wie möglich und so negativ wie nötig, individuell auf den jeweiligen Hund abgestimmt und für den dazugehörigen Menschen mach- und nachvollziehbar ist der Erziehungstil, den wir an unsere Kundinnen und Seminarteilnehmerinnen vermitteln.
Petra Führmann und Iris Franzke
Der Hund hat sich im Laufe seiner Domestikationsgeschichte aufgrund seiner vom Menschen nutzbar zu machenden Fähigkeiten und seiner enormen sozialen Anpassungsfähigkeit zu einem der beliebtesten Haustiere entwickelt. Nicht ohne Grund wird er häufig als "des Menschen bester Freund" bezeichnet.
Hundeerziehung, bzw. Ausbildung bedeutet das Formen und Festigen unseren menschlichen Bedürfnissen und Wünschen entsprechenden hundlichen Verhaltens. Dabei bilden die klassische und die operante Konditionierung die Grundlage jeder Erziehung. Verhaltensbiologische und ethologische Erkenntnisse, sowie das Wissen um rassespezifische Unterschiede sind das wichtige und nützliche Fundament für den Hundeausbilder. In dem immer dichter werdenden Methodenschungel als "normaler" Hundehalter den Überblick zu bewahren, scheint heute beinahe unmöglich. Prinzipiell jedoch lässt sich feststellen, dass es einen durchaus wünschenswerten Wandel innerhalb der Hundeerziehung gibt: Arbeítete man früher vornehmlich mit der Vermeidung von Unlust- und Schmerz als größter Motivation in der Hundeausbildung (z.B. "wenn du dich setzt, lässt der unangenehme Druck auf dein Hinterteil nach"), verwendet man heute zumeist eine in Aussicht gestellte besonders reizvolle Belohnung als Motivation (z.B. "wenn du dich setzt, bekommst du einen besonderen Leckerbissen).
Da jedoch der Laie, sei es aus übertriebener Tierliebe, mangelnder Kenntnis, oder auch fehlender Begabung bisweilen Fehler in der Erziehung seines Haustieres macht, treten gerade bei Hunden häufig Verhaltensweisen auf, welche dem harmonischen Zusammenleben zwischen Mensch und Hund zum Problem gereichen. (Man denke nur an das für den Hund zunächst natürliche, für den Menschen jedoch inakzeptable jagen von Joggern, Radfahrern..., oder das Fressen von allerlei Unrat, bis hin zum Stellen und Verbeißen von Besuch.) Wenngleich nicht als staatlich anerkannter Ausbildungsberuf hat sich doch aufgrund ebengenannter Tatsache der Berufszweig des Hundausbilders/Verhaltensberaters/Hundeerziehers etabliert. Menschen, die durch ihre Begabung, ihr theoretisches Wissen und ihre praktische Erfahrung besondere Fähigkeiten erworben haben, bieten ihren menschlichen und tierischen Kunden ihre Dienste an und erwirken so im günstigsten Fall ein aus menschlicher Sicht gelingenderes Zusammenleben mit dem Sozialpartner Hund und aus hundlicher Sicht die Verringerung der Gefahr ins Tierheim gebracht oder gar getötet zu werden. Dabei steht die Erziehung zum Familienbegleithund im Vordergrund und nicht die sportliche Auslastung des Hundes.
Und das ist auch gut so!
Der Gang in eine Hundeschule erfordert aber Einsicht in eigenes Fehlverhalten, Mut, Ausdauer und Geduld. Das ist anstrengend. Und dazu ist nicht jeder bereit, noch fähig. Daher scheint sich ein neuer Trend immer mehr durchzusetzen, welcher wohl als Konsequenz aus dem Vermenschlichen des Hundes zu deuten ist: Der Gang zum Tierpsychologen. Hier erhofft man sich Hilfe für die fälschlicherweise dem Hund angelasteten Verhaltensprobleme. Selbst namhafte Fernsehsender unterstützen diesen Irrweg durch schlecht recherchierte Reportagen über so genannte Tierpsychologen. Tierpsychologie ist keine akademische Wissenschaft. Vielmehr kann man mittels Fernstudium an einer Akademie (z. B. in der Schweiz) den "Titel" Tierpsychologe erwerben. Ob theoretisch dieses Fach bezüglich Begriffsklärung, Wissenschaftstheorie und Methodenreflexion den gleichen Schwierigkeiten ausgeliefert ist, wie die universitäre Schwester Psychologie kann und soll hier nicht Thema sein. Informiert man sich aber praktisch über Inhalt und Ziel dieser Ausbildung, so liest man dass der Erwerb verhaltensbiologischer und lerntheoretischer Grundlagen ausschlaggebend ist. Also das, was sich jeder Laie durch ausgewählte Lektüre aneignen kann und was für jeden Berufshundetrainer ohnehin obligatorisch ist. Aber allein die Tatsache, dass sich jemand Hundepsychologe (diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt) nennt, obwohl er eigentlich "nur" Hundetrainer ist, ist ja nicht weiter problematisch. Eine solch euphemistische Umbenennung finden wir auch in anderen Berufssparten. Letzten Endes ist es ja auch wirklich egal, ob ich mich als Reinigungsfee bezeichne und dennoch den Job einer Putzfrau ausübe, oder eben den Titel Hundepsychologe führe und dabei der Tätigkeit des Erziehers nachgehe, solange ich es nur gut mache.
Wirklich ärgerlich ist in Punkto Hundepsychologie etwas anderes: Die Tastsache nämlich, dass Menschen mit solchem Titel mit gesteigerter Ehrfurcht betrachtet und mit beinahe irrational zu nennender Hoffnung konsultiert werden! Der "normale" Hundeausbilder reicht nicht aus. Kaum zeigt das liebe Tier Verhaltensweisen, die denn Besitzer zum Problem gereichen, setzt eine skurrile Umstrukturierung der Sachlage ein: Nicht die Beziehung Hund-Mensch ist gestört, nicht der Erziehungsstil war ungünstig, sondern der Hund hat ein Problem, welchem mittels Psychologen Abhilfe geleistet werden soll. Vielleicht ist es ja leichter, zu so genannten Problemhunden zu stehen, als sich und der Umwelt Erziehungsmankos einzugestehen. Ob jedoch aufgrund von Gesprächen, wie in tierpsychologischer Praxis üblich, oder gar "Einfühlung" eine Verhaltensänderung des Tieres möglich ist, ist mehr als fraglich. Wo ein Tierpsychologe seriös arbeitet, also aufgrund theoretischer Kenntnisse und praktischer Erfahrung eine Möglichkeit zum "umerziehen" des als Problemhund vorgestellten Tieres aufweist, ist dessen Konsultierung überflüssig. Gleiches könnte auch der Hundeerzieher leisten. Wo allerdings eine Verhaltensänderung via "Einfühlung", "Kommunikation", "Verständnis für die tierische Stelle", etc. proklamiert wird sind die Grenzen zur Scharlatanerie fließend. Wer also keine Kosten, aber jede Mühe scheut, mag sich beim Hundepsychologen gut aufgehoben fühlen. Wer Wert darauf legt, dass traditionelle Begriffe wie "Dressur", "Abrichtung" "Ausbildung" durch andere ersetzt werden, wobei der Kern der Sache der gleiche ist, ebenso. Wer allerdings ein Interesse daran hat, das Verhalten seines Hundes nach den individuellen Bedürfnissen zu formen und hierfür auch bereit ist, mehr als nur Geld zu investieren (ohne Arbeit funktioniert Hundeerziehung nicht!!!), der halte sich an eine seriöse Hundeschule. Die "Lehre von der tierischen Seele/ Tierpsychologie" eröffnet ein weites Feld für sprachlichen, inhaltlichen und praktischen Missbrauch und ist, solange sie nicht auf ein ausgearbeitetes theoretisches Fundament gestellt werden kann, für unseren Alltag, also das erfüllte gemeinsame Leben mit unserem Hund gänzlich irrelevant.
Blumi Noll